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Bernd Rausch
Ausstellung: Frankfurt - Auschwitz

Bildtitel Requiem - Vernichtung der Roma und Sinti im Nationalsozialismus - Bild: Bernd Rausch

Menschheitsverbrechen, Holocaust, Vernichtung durch Deutsche

Dieses Mahnmal wendet sich gegen die Relativierung der
nationalsozialistischen Barbarei. Die Unerträglichkeit der Umkehrung und Verharmlosung des deutschen Menschheitsverbrechens hat eine wesentliche Verortung in der zentralen Gedenkstätte, der Neuen Wache.

Wider die Relativierung des deutschen Menschheitsverbrechens durch die
Bundesrepublik Deutschland

Die Trivialisierung der nationalsozialistischen Verbrechen im Zentrum der
deutschen Politik setzt sich auf mannigfache Weise in vielen Bereichen der Gesellschaft fort. Die Transformation der Deutschen (Tätergesellschaft) zu Opfern wird aktiv betrieben, sei es durch die Förderung der Vertriebenen-verbände und ihres revanchistischen Zentrums in Berlin oder durch den Bombenterrorkult, der in und mit Dresden betrieben wird, oder seien es die
üblen Machenschaften der Stiftung Sächsische Gedenkstätten, die eine
formale Gleichsetzung von Verbrechen des NS-Regimes mit Taten nach
1945 propagiert.

Die Neue Wache ist alles, nur keine Gedenkstätte für die Opfer der
nationalsozialistischen Auslöschung. Der Schinkelsche Prachtbau der
königlichen Wache wurde im Kaiserreich als Denkmal für imperialistische
Kriege genutzt, in der Weimarer Republik war er mili taristisches Ehrenmal
für die Gefallenen des Ersten Weltkrieges, in der NS-Zeit wurde die Neue Wache als Reichsehrenmal für politisch- militärische Inszenierungen und Aufmärsche herangezogen. Ihre spätere Funktionalisierung durch die DDR-Staatsorgane und die Kohlsche Geschichtsklitterung machen die Neue Wache zum Synonym für die Unfähigkeit des deutschen Staates und der deutschen Gesellschaft, sich mit dem deutschen Menschheitsverbrechen relevant und nicht relativierend auseinander zu setzen. 1969 hat die DDR Staatsregierung
die sterblichen Überreste eines unbekannten Soldaten und eines unbekannten KZ-Häftlings in der Wache beigesetzt. Am Eingang der Neuen Wache steht geschrieben: „Sie sind umgeben von Erde aus Schlachtfeldern des Zweiten
Weltkriegs und aus Konzentrationslagern”. Wer hat das Opfer des
Nationalsozialismus gefragt, ob es mit einem Täter begraben sein
will?


Die Verharmlosung der Vernichtung von Millionen Menschen in Europa durch
Deutsche findet am 14. November 1993 ihre Verfestigung und erreicht eine
neue Qualität durch die Zurichtung der Neuen Wache als „Zentrale Gedenkstätte der Bundesrepublik Deutschland“ für „die Opfer von Krieg und Gewaltherrschaft“. Eine überdimensionierte Replik der Kollwitz-Skulptur „Mutter mit totem Sohn" (Pietà) wurde aufgestellt. Die Darstellung Marias mit dem
Leichnam des vom Kreuz abgenommenen Jesus und die Inschrift „Den Opfern von Krieg und Gewaltherrschaft" zeigt die vollkommene Unfähigkeit des Staates der deutschen Vernichtungsherrschaft, der Auslöschung und dem Holocaust ein würdiges Mahnmal zu errichten. Im Gegenteil, nachdem die Deutschen, in ihrer Mehrheit Christen, 52 Millionen Menschen töteten, darunter fast alle europäischen Juden, 500 000 Roma und Sinti, setzen sie sich eine
Gedenktafel ohne jeden Bezug zu den Konzentrations- und Vernichtungslagern. Um die Neue Wache dann vollends als Mahn- und Gedenkort zu diskreditieren, relativieren sie die nationalsozialistischen Verbrechen bis zur Unkenntlichkeit, in dem sie auf die Eingangstafel der Neuen Wache schreiben: „Wir gedenken aller Frauen und Männer, die verfolgt und ermordet wurden, weil sie sich totalitärer Diktatur nach 1945 widersetzt haben“. Diese Verharmlosung und Banalisierung des Nationalsozialismus findet in vielen Bereichen von Staat und Gesellschaft ihre Entsprechung

Bernd Rausch