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Bildtitel: Orchester des Philharmonischen Vereins der Sinti und Roma -i Auschwitz Requiem - Bild Bernd Rausch

Das Auschwitz Requiem wird am 24.10.2012 in Frankfurt a.M. in der Alten Oper aufgeführt. Im Rahmen der Veranstaltung wird die Ausstellung Frankfurt - Auschwitz gezeigt.

AMSTERDAM  - May 3, 2012 

TILBURG - May 4, 2012

CRACOW - August 1, 2012

BUCHAREST - October 10, 2012

FRANKFURT - October 24, 2012

PRAGUE - November 4, 2012

BUDAPEST - November 6, 2012

Requiem für Auschwitz

Chor- und Orchesterwerk des niederländischen Sinto-Komponisten Roger ‚Moreno‘ Rathgeb

Mit dem Requiem für Auschwitz wird an die Opfer des Nationalsozialismus, insbesondere an die Verfolgung und Vernichtung der Sinti und Roma erinnert. Im Zentrum des Requiems für Auschwitz steht das Chor- und Orchesterwerk des niederländischen Sinto-Komponisten Roger ‚Moreno‘ Rathgeb. Die internationalen Roma und Sinti Philharmoniker Frankfurt unter Leitung von Riccardo M. Sahiti werden das Requiem nach der Premiere in Amsterdam am 3. Mai 2012 in mehreren europäischen Städten aufführen, in Bukarest, Prag, Budapest und Krakau. In Deutschland soll das Konzert in der Alten Oper in Frankfurt/Main am 24. Oktober 2012 stattfinden. Die Chöre und Solo-Sängerinnen und -sänger stammen aus den Ländern, in denen das Requiem zur Aufführung gelangt. In den Niederlanden ist es der Amsterdamer Studentenchor, in Polen der Polnische Rundfunkchor, in Rumänien der Opernchor der Nationaloper Bukarest, in der Tschechischen Republik der Prager Philharmonische Chor, in Ungarn der Honvéd-Männerchor und in Deutschland der Chor des Frankfurter Opernhauses.

Mit der Einladung des niederländischen Sinto und Überlebenden der NS-Verfolgung Zoni Weisz als Redner zum Gedenktag für die Opfer des Nationalsozialismus im Januar 2011 hat der Deutsche Bundestag kürzlich ein Zeichen gesetzt: Die Verfolgung und Vernichtung der Sinti und Roma hat bisher in der deutschen Öffentlichkeit noch zu wenig Aufmerksamkeit erfahren.

Das Requiem für Auschwitz wirdl zusammen mit einem Rahmenprogramm ein wirkungsvolles Zeichen gegen den „vergessenen Holocaust der Sinti und Roma“ (Zoni Weisz) setzen und zum anderen auf die bis heute fortwährende Diskriminierung der Sinti und Roma in zahlreichen europäischen Staaten hinweisen.

Roger Moreno - Rathgeb (holländischer Sinto, seit 1971 Berufsmusiker) schrieb das Auschwitz Requiem, das 2012 in einigen europäischen Hauptstädten aufgefürt wird.. 1998 begann er damit ein Requiem für die Opfer von Auschwitz zu komponieren. Es entstand eine Komposition von 60 Minuten für Sinfonieorchester, Chor und Solisten.

Vorwort des Komponisten zum Requiem:

Auschwitz - ein jeder, welcher mit der Geschichte des Holocausts in den Jahren 1939 bis 1945 ein bisschen vertraut ist, erfüllt dieser Name auch heute noch immer mit Schaudern und Entsetzen.

Auch heute - nach mehr als 60 Jahren - gibt es immer noch unzählige Menschen, welche jene Geschehnisse nicht wahrhaben wollen. Welche jene Tatsachen immer noch verleugnen. Welche aus der Geschichte immer noch nichts gelernt haben.

Dabei leben Millionen Menschen auf dieser Welt, welche ihre Väter, Mütter, Brüder, Schwestern, Onkel, Tanten, Neffen und Nichten vermissen - oder vielleicht nie kennengelernt haben - weil sie sie eben da verloren hatten.

Dabei - wenn man Auschwitz heute besucht - schreien die Stimmen der verstorbenen Seelen aus dem mit Asche getränkten Boden in des Besuchers Ohr. Greifen ihre hilfesuchenden Hände an des Besuchers Kehle.

Dies jedenfalls waren MEINE persönlichen Erfahrungen, als ich Auschwitz 1998 zum ersten Mal besuchte.

Auschwitz - jener Tiefpunkt in der menschlichen Geschichte, jener Höhepunkt menschlicher Intoleranz und primitiver Mordlust. Jener Ort, wo ein menschliches Leben keinen menschlichen Wert mehr hatte. Wo überhaupt nichts mehr einen humanitären Wert hatte. Wo nur noch Qual, Tod und Verderb regierte.
Der Endpunkt für Millionen von Menschen, erst getäuscht, dann erniedrigt, gequält und zum Schluss brutal vernichtet.

Auschwitz - jener Ort, wo sich über Jahre hinweg tagtäglich tausende menschliche Tragödien abgespielt haben. Wo Schmerzen gelitten wurden. Wo die Menschwürde mit Füssen getreten wurde. Wo Völkerrechte ignoriert wurden. Wo Hoffnung manchmal hämisch geschürt, in den meisten Fällen jedoch brutal zerstört wurde. Wo ein einzelnes Menschenleben nichts mehr zählte. Wo jedoch Millionen von Menschenleben die Rechtfertigung einer unmenschlichen Politik darstellen sollten (mehr “Lebensraum im Osten”, die “Erschaffung einer Herrenrasse”).

Auschwitz - jener Ort, an welchem alles vernichtet werden sollte, was dem damals regierenden Regime nicht in den Kram passte (z.B. anders denkende Intelligenz und andersgeschlechtliche Vorzüge). Dort, wo ganze Völker ausgerottet werden sollten (Juden, Sinti und Roma). Dort, wo ganze Nationen ausgelöscht werden sollten (Polen, Tschechen, Russen u.s.w.). Und wo selbst vor den verschiedensten Glaubensbekenntnissen kein Halt gemacht wurde. Da warteten sowohl Christen (katholische, reformierte, protestantische) als auch Muslime, Juden und Menschen anderer Religionen auf ihr sicheres Ende. Gedemütigt, erniedrigt, oftmals in Hoffnung auf Erlösung durch ihren jeweiligen Gott. Jeder in innigem Gebet zu seinem eigenen persönlichen Erlöser.

Dieses Requiem (Totenmesse) ist eben all diesen Menschen gewidmet.

- Mein erster Gedanke war, mit Hilfe dieses Requiems all diesen verstorbenen Seelen in Demut und Dankbarkeit zu gedenken.
In Demut wegen all ihren Qualen und Schmerzen, gelitten für einen Glauben, eine Überzeugung oder eine Tradition, oder einfach nur, weil man andersdenkend oder andersgesinnt war.
Und in Dankbarkeit, weil ich des Glaubens bin, dass ihre Seelen geopfert wurden für die Freiheit, die wir heute geniessen können.

- Mein zweiter Gedanke war, dieses Requiem eine Art “Lebendes Mahnmal” werden zu lassen. Ein Mahnmal zu Ehren der verstorbenen Seelen, ein Mahnmal des “nicht Vergessens”. Und zugleich ein Aufruf zur Verbrüderung aller Völker und Nationen, ein Aufruf zur gegenseitiger Akzeptierung aller Glaubensrichtungen, und ein Aufruf zur Ächtung aller Gewalt, aller völkerrechtlichen Ignoranz und aller menschenunwürdigen Behandlung.

- Mein dritter Gedanke war, endlich nach mehr als 60 Jahren einen musikalischen Beitrag zum Gedenken des Holocausts zu liefern im Namen jenes Volkes, welches neben den Juden Ziel der Ausrottung war, nämlich der Sinti und Roma.

Ich gehöre selber keiner Glaubensrichtung an. Ich glaube jedoch an ein übermenschliches Wesen höherer Ordnung. Und ich glaube an die menschliche Vernunft (von Gott gegeben), um seinen Mitmenschen zu lieben, seines Mitmenschen’s Glauben zu akzeptieren und zu respektieren, und seine eigene persönliche Freiheit dort zu begrenzen, wo die persönliche Freiheit seines Mitmenschen beginnt.

Roger Moreno - Rathgeb
Vaals, Niederlande, 19. Oktober 2009

 

 

 

 

Das Werk soll ausgeführt werden durch das Orchester des Philharmonischen Vereins der Sinti und Roma in Frankfurt am Main, dem einzigen philharmonischen Orchester in Europa, welches aus 80 professionellen Sinti und Roma-Musikern besteht. Das Orchester wird geleitet von Riccardo M. Sahiti, selbst Rom und Dozent an der Musikhochschule in Frankfurt.

Der Chor und die Solisten bestehen aus Musikern der jeweiligen Länder, in denen das Requiem aufgeführt wird..

 

Bildtitel: Roger Moreno-Rathgeb - Auschwitz Requiem, Bild: Bernd Rausch